Adieu China, du ach so andere Welt

 

Als wir an unserem letzten Abend in unser Hostel zurückkehrten, konnten wir unseren Augen kaum glauben. Wer saß denn da in der Ecke?!? Es war tatsächlich Tom, unser Kumpan von der Kirgistan-China-Grenzüberquerung. Und er hatte natürlich eine Gitarre neben sich. 😉
Tom, der die letzten Wochen fast ausschließlich im Osten Tibets verbracht hatte, wo kaum Touristen waren, war damit sehr zufrieden. Da er jedoch weiterhin ähnliches Essen wie in den Stans essen musste, waren auch wir mit unseren letzten Wochen sehr zufrieden. 😉

Am nächsten Tag mussten wir uns dann wieder verabschieden. Tom machte sich auf nach Nanning, um hernach nach Vietnam weiterzuziehen. Wir mussten noch 20 km zum Busbahnhof radeln, wo wir einen Nachtbus nach Mengla nehmen wollten. Puh, da haben wir so richtig gespürt, dass die Feiertage vorbei und alle Leute wieder zurück in der Stadt waren. Die Straßen waren verstopft, es herrschte regelrechtes Chaos und wir mussten echt aufmerksam fahren. Aber irgendwie wars schon recht lustig und es ist ja nix passiert. 😉
Unsere Räder haben wir irgendwie unten im Bus hineingezwängt und uns selbst ging es in den etwa 175 cm langen und 20 cm breiten Liegen auch nicht besser. Der Busfahrer und Passagiere haben die ganze Fahrt lang geraucht und es war sehr laut, schlafen konnten wir daher kaum.

 

am Busbahnhof

am Busbahnhof – keine Ahnung, was die Anweisung heißen soll 😀

rein mit die Radl!

rein mit die Radl!

sooo gemütlich

sooo gemütlich

oder auch nicht

oder auch nicht

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In Mengla angekommen suchten wir uns ein fancy Hotel, das recht schön, aber auch sehr günstig war und haben erst einmal ein bisschen geschlafen. Bei dem regnerischen Wetter wollten wir sowieso nicht ans Radeln denken…
Dort haben wir übrigens das erste Mal in China etwas so scharfes zu essen bekommen, dass es uns zu viel war. Auch eine interessante Erfahrung. 😉
Am nächsten Morgen hatte es in Mengla aufgehört zu regnen. Also packten wir uns zusammen, kauften noch ein paar Baiozi (gefüllte Teigtaschen) und machten uns auf den Weg zur chinesisch-laotischen Grenze. Diese etwa 48 km waren wirklich ein Genuss. Die Landschaft war leicht hügelig und extrem grün, die Menschen waren freundlich und haben uns angelacht und die Straßen waren sehr gut und ließen uns genügen Platz, um nicht über den Haufen gefahren zu werden. Die Tunnel waren zwar etwas gruselig, aber sehr kurz und bereits gegen Mittag standen wir an der Grenze. Von unserem Gepäck wurde gar nichts überprüft und wir mussten lediglich ein kurzes Formular ausfüllen, abgeben und schon war der Ausreisestempel im Pass. China war für uns somit vorbei.

 

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Irgendwie hatten wir uns immer ein bisschen vor China gefürchtet. Soviel hatten wir darüber gelesen, dass westliche Touristen das alles zu viel war, dass sie “noch nicht bereit” waren für dieses Land, das doch sehr anders ist, als wir es vom Westen gewöhnt sind. Die Leute sollten sich ekelhaft benehmen und Touristen gegenüber sehr unfreundlich sein und man verstehe rein gar nichts.
Je näher wir China kamen – und je länger wir uns in ehemaligen Sowjetländern aufgehalten hatten -, umso gespannter und neugieriger waren wir auf China. Würden wir es aushalten oder würden wir einfach so schnell wie möglich wieder weg wollen?

Letztenendes mussten wir feststellen, dass es uns eigentlich recht gut gefallen hat hier.
Ja, natürlich ist es ganz anders, und viele Chinesen benehmen sich wirklich abartig – an westlichen Standards gemessen. Nicht nur einmal wollte Alexandra alle schlatzenden, rotzenden, schmatzenden, grauslich hustenden niederschreien. Damit muss man wirklich leben, wenn man dieses riesige Land besuchen möchte. Auch wahr ist, dass die Verständigung extrem schwierig ist, sofern man nicht selbst Chinesisch sprechen und lesen kann. Pantomime, wie sie bei uns so gut wie jeder verstehen würde, funktioniert in China gar nicht. Wenn man ihnen nicht mit Google Translate eindeutig sagt, was man will, ist man hoffnungslos verloren. Dann heißts nur vielleicht “meyo, meyo” (gibts nicht oder so), wenn überhaupt.

Aber dass Chinesen so richtig unfreundlich zu uns gewesen wären, haben wir nicht erlebt. Oft wollten sie sogar unbedingt helfen und haben alles versucht, um herauszufinden, was wir brauchen könnten. Auch gelächelt wurde viel, nicht nur von uns. Das Essen war meistens sehr gut, auch wenn die Bestellung schwierig war. Die Landschaft und einige historische Gebilde waren sehr schön anzusehen.
Teilweise war es sehr angenehm, ohne die Fahrräder zu sein und die großen Distanzen mit dem Zug zurückzulegen. Am Ende haben wir uns dann aber doch schon sehr auf unsere Radl gefreut, denn immer nur im Zug oder Bus eingesperrt zu sein, ist auch nicht lustig.

Um durch China durchzureisen sind wir übrigens 88 Stunden und 38 Minuten mit dem Zug und 13 Stunden mit dem Bus gefahren. Ausflüge sind da nicht eingerechnet. Auch ohne Rad braucht man also ein gewisses Sitzfleisch 😉

Alles in Allem können wir China durchaus als Reiseziel empfehlen, wenn man sich darauf einstellt, dass es wirklich komplett anders ist als bei uns. Wir denken jedenfalls, dass es nicht das letzte Mal war, dass wir in China waren. Zumindest die Hauptstadt und die Große Mauer müssen einmal besucht werden. 🙂

 

 



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